BUND weist multiresistente Keime in Gewässern nach

25. Mai 2018 | Flüsse & Gewässer, Landwirtschaft, Wasser

Intensivtierhaltung als Quelle

Probenahme im Kreis Borken.

Stichprobenartige Gewässeruntersuchungen des nordrhein-westfälischen Landesverbandes des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in den Kreisen Borken und Viersen haben in allen Fällen den Nachweis multiresistenter Keime erbracht. Der Umweltverband sieht einen klaren Zusammenhang mit der dort praktizierten Intensivtierhaltung.  Im direkten Vergleich sind die Wasserproben aus den beiden Kreisen stärker und deutlich breiter mit antibiotikaresistenten Erregern durchsetzt als die aus der Ruhr. Hier hatte unlängst der WDR eigene Untersuchungen veröffentlicht. Der Umweltverband fordert die Landesregierung auf, landesweite Untersuchungen zu veranlassen und das Problem an der Wurzel anzugehen. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung müsse weiter reduziert werden.

Der BUND hatte insgesamt acht Proben aus Bächen im Kreis Borken und aus der Nette (Kreis Viersen) genommen und von der Ruhruniversität Bochum auf multiresistente Keime untersuchen lassen. Alle Probenahmestellen liegen in der Nähe von Mastanlagen für Schweine, Kälber oder Geflügel. Die höchst belastete Probe wies Keime auf, die gegen 12 Antibiotika resistent sind.

 „Obwohl es schwierig ist, aus Stichproben generelle Aussagen zu treffen, sprechen die Ergebnisse dafür, dass wir offenbar ein flächendeckendes Problem haben“, sagt der BUND-Gewässerschutzexperte Paul Kröfges. „Es gibt einen konkreten Zusammenhang zwischen den hohen Besatzdichten an Schweinen und dem Nachweis antibiotikaresistenter Keime. Ursache dafür ist der noch immer zu hohe Einsatz von Antibiotika bei der Tierhaltung.“

So zeichnet sich der Kreis Borken durch extrem hohe Tierdichten aus, das heißt zu viele Tiere auf zu wenig Fläche. Die BUND-Proben weisen darauf hin, dass sogar Reserveantibiotika wie Piperacillin oder Imipenem in der Tierhaltung eingesetzt wurden oder werden. „In die Gewässer gelangen diese Keime wohl im Wesentlichen über die Gülleausbringung auf die angrenzenden Flächen. Der nächste Regen wäscht die Keime hinein, befördert durch insgesamt nicht ausreichende Abstände zu den untersuchten Gewässern“, so Kröfges.

Auch in den aus der Nette entnommenen Proben konnten Keime (E. Coli) nachgewiesen werden, die gegen drei Reserveantibiotika resistent sind. Der stärkste Befund ergab sich oberhalb der Kläranlage Dülken, im Einzugsbereich einer neueren Schweinemastanlage. Diese liegt im Wasserschutzgebiet Dülken-Boisheim und war vom Kreis Viersen erst vor drei Jahren genehmigt worden. „Das Beispiel zeigt, dass in Bezug auf Antibiotika-Resistenzen offenbar nicht der Einfluss von Kläranlagen entscheidend ist, sondern die Art der Tierhaltung“, so BUND-Experte Kröfges. Erschreckend sei auch der Befund im Badesee Heidweiher, der ebenfalls mit multiresistenten Colibakterien belastet ist. Der BUND fordert deshalb das zuständige Gesundheitsamt zu einer kritischen Überprüfung der Nutzung als Badegewässer auf.

 Angesichts fast 15.000 Toten jährlich in Deutschland durch nicht mehr behandelbare Infektionen und die sich abzeichnende Resistenz auch der letzten Reserve-Antibiotika fordert der BUND die Politik auf, endlich zu handeln. Die Landesregierung müsse ihre zögerliche Haltung aufgeben und sofort ein umfassendes landesweites Untersuchungsprogamm starten.  

 „Intensivtierhaltung, so wie diese im Kreis Borken und Viersen exemplarisch und tausendfach in Deutschland betrieben wird, ist für Tiere, Mensch und Umwelt ein großes Problem. Hier sind dringendst Veränderungen erforderlich“, sagte der Gewässerschutzexperte Kröfges.  Von daher müsse die Anwendung von für Menschen besonders wichtigen Reserveantibiotika für Nutztiere verboten werden. Damit Tierärzte wenig Anreiz haben, große Antibiotikamengen an Betriebe mit Nutztierhaltung zu verkaufen, müsse gesetzlich untersagt werden, dass Pharmakonzerne beim Verkauf von Medikamenten an Tierärzte Mengenrabatte erlassen dürfen. Auch sei die Erstellung von Analysen, ob bereits Antibiotikaresistenzen vorliegen (Antibiogramme), vor jeder Antibiotikaanwendung verpflichtend vorzuschreiben.  „Letztendlich aber muss die Tierhaltung so umgebaut werden, dass die Tiergesundheit verbessert und damit Medikamentengaben auf das absolute Minimum reduziert werden können“, so Kröfges.

Mehr Infos: Die Tabelle mit den Ergebnissen der Gewässerproben finden Sie …hier

 

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